Die schönste Apokalypse seit es Künstliche Intelligenz gibt

Der theologische Blick auf Good Luck, Have Fun, Don't Die

"Ich komme aus der Zukunft und alles hier geht bald vor die Hunde" So kündigt es ein ziemlich merkwürdiger Typ in komischem Anzug in einem Diner an. Seinen Namen verrät er nicht, aber dass er Rekruten für eine Mission sucht, die diese Welt vor ihrem sonst so sicheren Untergang retten will. Nach ein bisschen "Überzeugungsarbeit" bekommt er eine Truppe zusammen, die sich auf den Weg macht, eine Welt zu retten, die die Realität schon lange nicht mehr ertragen kann.

So beginnt ein Film, der mit "verrückt" noch ziemlich freundlich umschrieben ist. Was Regisseur Gore Verbinski hier auf die Leinwand bringt, dürfte zu den abgedrehtesten Filmen der letzten Jahre zählen. Schon die Welt, in die der Mann aus der Zukunft zurück reist, ist alles andere als gut. Die Leute hängen nur noch am Handy und niemand bekommt mehr etwas von seiner Umgebung mit. In der Schule wird nicht mehr gelesen und selbst ein Shooting ist keine Katastrophe, weil es ja Klone gibt. Was zunächst wie eine plumpe Gesellschaftskritik daherkommt, entpuppt sich nach und nach als durchgeknallte Dystopie, die aber manchmal näher an der Realität ist, als es einem Lieb ist.

Es kann nicht verrückt genug sein

Mit Sam Rockwell hat Verbinski einen Schauspieler für seine Hauptrolle geholt, der schon mehrfach den etwas abgedrehten Typen gegeben hat. Da ist dieser Film nicht anders, nur dass alles in diesem Film so abgedreht ist, dass Rockwells Figur irgendwann erstaunlich normal wirkt. Das gelingt auch, weil Rockwell hier großartig spielt und vielleicht eine der besten Performances seiner Karriere hinlegt. Ansonsten besticht der Film vor allem durch seine Handlung, die durch kluge Background-Stories vor allem von Susan (Juno Temple (u.a. bekannt als Kiley aus Ted Lasso) und Ingrid (Hailey Lu Richardson, Die statistische Wahrscheinlichkeit von Liebe auf den ersten Blick) nochmal eine zusätzliche Ebene bekommt - das soll hier aber nicht weiter gespolert werden. Wenn man es als Zuschauender schafft sich auf diese Welt einzulassen, dann gelingt es dem Film über weite Strecken eine wirklich gute Unterhaltung zu liefern.

Seine Freunde wird dieser Film im Kino finden - seine Kritiker aber auch. Nicht zuletzt die Laufzeit von 134 Minuten ist hier zu nennen, denn manchmal scheint sich der Film all zu sehr an sich selbst zu berauschen. Und auch sein Stil dürfte nicht jedem gefallen.

Der theologische Blick: Wie können Mensch und KI zusammenleben?

Apokalyptik-Szenarien mit Künstlicher Intelligenz gab es im Kino immer wieder, häufig wie in I,Robot im Zusammenhang mit Robotern. Dieser Film findet einen anderen Zugang. Der Mensch gibt sich nach und nach der KI hin, die ihn mit Social-Media likes und flimmernden Bildern nach und nach gefügig macht. Und ist die von der KI erschaffene Welt nicht viel besser als die der Menschen, die von Krieg und Naturkatastrophen heimgesucht wird? Auffällig ist, wie oft ich in diesem Film das Gefühl hatte, dass der Film ein wirkliches Problem benennt. Sei es, dass beim Essen alle auf ihr Handy starren und nicht mehr mitbekommen, wenn jemand durch ihren Garten rennt oder die Macht, die künstliche Intelligenz in einer Welt bekommt, in der die Menschen das Denken einstellen. Und gerade, weil der Film so abgedreht ist, kommt er nicht wie eine große Moralkeule daher, lässt aber trotzdem auch etwas nachdenklich zurück. Ganz ehrlich, so viel tiefe hätte ich dem Film nach dem Trailer und den ersten fünf Minuten nicht zugetraut.

Good Luck, Have Fun, Don't Die wird allen gefallen, die sich auf diesen abgedrehten Film einlassen können. Denn das muss man, um dann auch die kritischen Momente in diesem Film würdigen zu können.

Auf einen Blick:

Kinostart:12.03.2026
Länge:134 Min
FSK:16 Jahre
Regie:Gore Verbinski
Darsteller*innen:Sam Rockwell, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Zazie Beetz u.a.
Filmplakat zu Good Luck, Have Fun, Don't Die ((c) Constantin Film)

Wertung:

Kino-Genuss:4 von 5 Punkten
Glaubensblick:3 von 5 Punkten