Unorthodox – Religion vs. Realität

Zugegeben, der Titel wirkt etwas hart. Doch wer sich die Netflix Mini-Serie Unorthodox angesehen hat, der stellt immer wieder genau diesen Konflikt fest. Auf der einen Seite die chassidische Gemeinde, die mit ihren ganzen Sitten und gebrauchen manchmal jenseits aller heutigen Realität wirkt. Auf der anderen Seite die junge Frau Etsy, die genau dieser Welt entfliehen will, um in der eigentlichen Realität anzukommen.

Die Serie umfasst insgesamt vier Folgen, in denen die Geschichte der jungen Frau erzählt wird. Ihre Flucht aus New York, ihre Ankunft in Berlin, ihre Begegnungen mit einer Gruppe internationaler Musikstudentinnen und -studenten. Dazwischen werden immer wieder in Form von Rückblenden die Schwierigkeiten ihres eigenen Lebens in der chassidischen Gemeinde dargestellt. Ihre eingefädelte Verlobung, die Hochzeit, der erste Sex. Und die Suche ihres Ehemanns (samt Cousin) nach ihr in Berlin, um sie wieder in diese Welt zurückzuholen.

Bild von Ri Butov von Pixabay 

Gleich mehrere Elemente machen die Serie besonders. Da ist zum einen der Wechsel der Sprachen. Immer wieder erklingt jiddisch, dazwischen englisch und deutsch. So bleibt die Serie in jeder Hinsicht authentisch.

Auch die Tatsache, dass die Serie auf dem Bestseller von Deborah Feldmann basiert und damit eben auch einen authentischen Einblick in die chassidische Kultur bieten kann, sollte hier erwähnt werden. Feldmann hatte wohl auch Angebote aus Hollywood, entschied sich aber für die Arbeit mit der deutschen Regisseurin Maria Schrader. Eine perfekte Zusammensetzung, wie sich nun zeigt.

Auch die Besetzung der Serie ist sehr gut. Shira Haas, preisgekrönte Schauspielerin aus Israel, spielt die junge Este. Auch die anderen Rollen sind authentisch besetzt. Das hilft dazu mit, dass die Serie nie in der Gefahr steht, sich über die Religion lustig zu machen. Eher im Gegenteil. Die Darstellung wirkt nicht nur authentisch, sie ist auch zu keinem Zeitpunkt „feindlich“ gegenüber der chassidischen Lebensweise. Gerade gegen Ende der Serie, wenn es zum klärenden Gespräch zwischen Easy und ihrem Mann kommt, zeigt, dass es durchaus Verständnis für Etsys Verhalten gibt.

Der Spagat zwischen der stark religiös reglementierten Lebensweise und der Realität des 21. Jahrhunderts wird dabei immer wieder thematisiert. Auch dies geschieht aber ohne unnötige Wertungen, sondern versucht eine gut ausgewogene Darstellung dieser Konflikte darzustellen. Gleichzeitig zeigt auch Etsy, dass sie mit dieser Welt nicht vollständig abgeschlossen hat. Als sie am Ende ein Psalmgebet singt, merkt man richtig, wie dieser Psalm ihr Psalm wird. All die Klage, die damit verbunden ist. Hier zeigt sich eine tiefe, religiöse Verbundenheit.

Für den Einsatz im Unterricht eignet sich die Serie ob ihrer Länge pro Folge (knapp 60 Min). Wichtig erscheint mir jedoch eine gute Einordnung und Nachbesprechung, damit die Bilder nicht einfach so stehen gelassen werden. Zudem dürften bei Schülerinnen und Schülern (bzw. bei Konfirmandinnen und Konfirmanden) auch einige Fragen aufkommen, die es zu klären gälte.

Gesamtfazit:

Mit Unorthodox präsentiert Netflix eine spannende Mini-Serie, die einen guten Einblick in das chassidische Leben gibt. Die Religion spielt dabei vor allem in ihrer reglementierenden Form eine Rolle. Dabei wird immer wieder der Konflikt zwischen diesem reglementierten Leben und der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts deutlich. Dies geschieht dabei nicht in erster Linie richtend, sondern feinfühlig und angemessen. Das Ansehen dieser Serie lohnt sich in jedem Fall.

Bewertung: 8/10 Punkten

Trailer:

Offizieller Trailer zu Unorthodox.

Einsatzmöglichkeiten:

Jugendarbeit/ Religionsunterricht/ Konfirmandenarbeit:

In der Jugendarbeit bzw. im Religionsunterricht sehe ich die Serie vor allem erst einmal als einen Berührungspunkt mit Ultraorthodoxer Religion. Es könnten zusätzliche Texte gelesen werden und das gelesene mit dem gesehenen abgeglichen werden. Auch das einfache sehen und die Beantwortung daraus resultierender Fragen könnte spannend sein. Mit älteren Schülerinnen und Schülern wäre auch die Frage nach „Regeln“ in der eigenen Religion, die als einengend etc. gesehen werden, interessant.

Erwachsenenarbeit:

Auch mit Erwachsenen kann der Blick in die Serie spannend sein. Dabei kann insbesondere noch einmal ein Blick auf den Umgang der Erwachsenen mit der jungen Etsy geworfen werden. Was fällt auf? Wie „reflektiert“ gehen wir heute mit den „Regeln“ unserer Gesellschaft um? All dies könnte in einem anschließenden Gespräch neue Impulse geben.

Verfügbares Material zu Unorthodox

Making of von Unorthodox

Deutschlandfunk vom 18.12.2018 – Geschichten aus dem osteuropäischen Judentum

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