Treffen sich zwei Päpste…

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Fazit und GesamtbewertungEinsatzmöglichkeiten und Material

Filmkritik:

Als ausgerechnet an Rosenmontag 2013 die Meldung kam, dass Papst Benedikt XVI. zurückgetreten ist, waren viele überrascht. „Ein Papst tritt nicht zurück, der stirbt“ war die einhellige Meinung. Wenig später wurde Kardinal Jorge Bergoglio als Papst Franziskus sein Nachfolger. Einer, der ganz anders ist, als sein Vorgänger. Das zeigt auch die Netflix Produktion Die zwei Päpste.

Auch wenn der Film „von wahren Ereignissen inspiriert“ ist, das Treffen zwischen Papst Benedikt XVI. und dem damaligen Kardinal Bergoglio, dass den Hauptbestandteil dieses Films darstellt, ist nicht belegt. Dennoch zeigt der brasilianische Regisseur Fernando Meirelles einen Film, der durchaus gut durchdacht ist und keineswegs ein reines Schwarz-Weiß Bild darstellt.

Zu Beginn sieht man den Versuch von Papst Franziskus (Jonathan Bryce) einen Flug nach Lampedusa zu buchen, was jedoch scheitert, weil die Dame der Telefonhotline das ganze für einen schlechten Scherz hält. Es folgt ein Zeitsprung in das Jahr 2005. Nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. gilt es einen neuen Papst zu wählen. Es gibt mehrere Kandidaten. Kardinal Ratzinger (Anthony Hopkins) gilt als der Konservative, der gerne hätte, dass die Messe wieder auf Latein gefeiert wird. Er kennt viele Kardinäle, lässt sich aber auch noch einmal briefen und tritt insgesamt im gesamten Prozedere eher wie ein Politiker denn ein Geistlicher auf. Bergoglio hingegen will eigentlich gar nicht Papst werden. Dennoch halten die Reformer in der Kirche große Stücke auf ihn.

Die beiden treffen sich am Waschbecken der Toilette. Ratzinger fragt Bergoglio, welches Lied er pfeife. „Dancing Queen von ABBA“ lautet die Antwort. Ratzinger kennt weder ABBA noch Dancing Queen. Dafür wird der Song gleich einmal eingespielt, als die Kardinäle in die sixtinische Kapelle einziehen. Durchaus amüsant.

In den ersten Wahlgängen gibt es keinen Sieger. Ratzinger liegt allerdings vorne. Beim anschließenden Essen sieht man Ratzinger, der umtriebig versucht weiter für sich zu werben. Bergoglio hingegen bleibt einfach an seinem Platz sitzen. Später wird dann Ratzinger zum Papst gewählt, der sich anschließend in Siegerpose auf dem Petersplatz feiern lässt. Bergoglio kehrt nach Argentinien zurück.

Nächster Sprung, diesmal in das Jahr 2012. Da er auf sein schriftliches Rücktrittsgesuch keine Antwort erhalten hat, reist Bergoglio nach Rom, um dem Papst persönlich seinen Rücktritt vorzuschlagen. In Rom tobt gerade eine schwere Krise in Folge des „Vatileaks“ – Skandal. Dennoch empfängt Papst Benedikt den Kardinal in seiner Sommerresidenz. Bei einem Gespräch im Garten wird sehr deutlich wie unterschiedlich die beiden sind. Benedikt beschuldigt Bergoglio, dass er die katholische Lehre verrate und beendet das Gespräch mit dem Satz: „Wollen Sie überhaupt noch ein Priester sein?“

Nach einem getrennten Abendessen treffen sich die beiden wieder und wieder merkt man die großen Unterschiede. Der Papst schwärmt von der klassischen Musik, Bergoglio von den Beatles. Dass Deutschland und Argentinien bei der WM gegeneinander spielen könnten, hat Papst Benedikt überhaupt nicht auf dem Schirm. Am nächsten Morgen muss der Papst zurück nach Rom, Bergoglio begleitet ihn.

Am nächsten Tag gibt es das nächste Treffen, diesmal in der sixtinischen Kapelle. Hier erzählt Benedikt Bergoglio, dass er vorhat zurück zu treten und sich vorstellen könnte, dass der argentinische Kardinal sein Nachfolger wird. Bergoglio erwidert, er könne niemals Papst werden und führt dann seine eigene Biografie an. In den 1970er Jahren hatte Bergoglio als Leiter des Jesuiten-Kollegs mit dem damaligen Militärdiktator paktiert und dabei auch zwei Priester, denen er, nachdem sie sich ihm widersetzt hatten, die Priesterwürde entzog, der Folter preisgegeben.

Es sind diese Momente, an denen der Film wirklich gut ist. Die Geschehnisse werden in Rückblenden dargestellt und sind – soweit ich das beurteilen kann – historisch korrekt. Anders als z.B. in Wim Wenders Franziskus wird Bergoglio also hier nicht verklärt, sondern als ein Mann mit Schwächen und Fehlern dargestellt. Ähnlich auch wie Ratzinger, der später beichtet, dass er schon früh von den Missbrauchsfällen wusste, aber nichts unternahm.

Daneben gibt es aber auch die Gespräche zwischen Papst Benedikt und Bergoglio, die sich um viele unterschiedliche Fragen drehen. Da sind kulturelle Fragen ebenso wie theologische Fragen an der Tagesordnung. Das viele hin und her der beiden ist dabei zeitweise etwas mühsam.

Den Rücktritt des Papstes begründet der Film nicht nur mit der schwindenden Gesundheit, sondern dass der Papst die Stimme Gottes nicht mehr richtig hört. Als nach einem Gebet der Rauch der Kerzen nach unten zieht, wertet der Papst das als Ablehnung Gottes. Hier finde ich den Film etwas gewagt. In der Rücktrittserklärung sprach der Papst damals von körperlicher und geistiger Schwäche. Man kann das interpretieren wie man will, aber eine Form der Überforderung oder ähnliches, wie der Film es hier mehr oder minder suggeriert, ist zumindest eine gewagte These.

Aufgelockert wird das ganze wiederum durch einige gut eingesetzte humorvolle Stellen. Z.B. wenn der Papst und Bergoglio in einer Seitenkapelle Pizza essen und Fanta trinken. Oder wenn der Diener des Papstes den Kardinal gar nicht findet, weil der nicht mit dem Dienstwagen, sondern mit dem Bus kommt.

Fazit und Gesamtwertung

Die zwei Päpste ist alles in allem ein wirklich guter Film, der dem Zuschauer die beiden Menschen Ratzinger und Bergoglio durchaus ein bisschen näher bringt. Beide kommen mit ihren Fragen und Sorgen ebenso wie mit ihren theologischen Positionen zur Geltung. Wirklich positiv ist, dass der Film nicht versucht den einen über den anderen zu heben, auch wenn seine Sympathien eher für Bergoglio schlagen. Das Benedikt den Kardinal als notwendiges Korrektiv ansieht, kann man dafür als Beleg anführen. Trotzdem finde ich den Film relativ authentisch, auch wenn er kleinere Schwächen hat. Dazu zählt auch, dass man als Zuschauer eben wenig „Handlung“ und dafür viel „Text“ akzeptieren muss.

Gesamtwertung: 7/10 Punkten.

Einsatzmöglichkeiten und Material

Religionsunterricht:

Ich würde den Film – wenn überhaupt – nur in der Oberstufe schauen, weil er so textlästig ist. Lohnenswert könnten dabei folgende Fragestellungen sein:
– Wie werden die beiden Protagonisten dargestellt? (evtl. mit Betrachtung der Biografie der beiden Päpste)
– Welcher Charakter ist euch sympathischer? Warum?

Erwachsenenarbeit:

Hier könnte man den Film mit der Fragestellung des Vergleiches der beiden Charaktere und ihrer Biografie schauen. Daraus können sich anschließend verschiedene Diskussionen entwickeln, die auch einen aktuellen Blick auf den Papst und die Kirche werfen. Auch im Blick auf eine ökumenische Diskussion wäre das sicher spannend.

Material:

Aktuell liegt kein Material vor.

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