Die (un-)perfekte Kandidatin

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Und wie ist es mit der Religion?Fazit und GesamtbewertungEinsatzmöglichkeiten und Material

Filmkritik

Filmplakat zu „Die perfekte Kandidatin“ © by Neue Visionen Filmverleih

„Stellen Sie sich vor, ihr Kind wurde angefahren. Sie wollen es ins Krankenhaus bringen. Aber sie müssen die letzten Meter zu Fuß laufen, weil es keine vernünftige Straße gibt“ So wirbt die Ärztin Maryam für ihre Kandidatur zum Gemeinderat. Eigentlich wollte die junge Ärztin sich erst gar nicht für diesen Posten bewerben. Doch nachdem sie aus bürokratischen Gründen eine Reise nach Dubai nicht antreten kann, bewirbt sie sich für die Kandidatur. Ihre Hauptforderung: Eine asphaltierte Zufahrtsstrasse zu der Klinik, in der sie arbeitet. In einem Land, in dem Frauen erst seit gut einem Jahr überhaupt Auto fahren dürfen, wird ihre Kandidatur kritisch beäugt, nicht zuletzt von ihren Schwestern. Doch Maryam beisst sich durch und auch ihre Schwestern kommen mehr und mehr auf ihre Seite.

Die Regisseurin Haifaa al Mansour (Das Mädchen Wadjda) zeigt einen vielseitigen Einblick in das Land Saudi-Arabien. Der Film, großteils in einer Vorstadt von Riad gedreht, traut sich einiges, wenn die Protagonistin mit so manchem gesellschaftlichen Tabu bricht. Auch die Musik, die durch den musizierenden Vater und seine Band immer wieder hervorgehoben wird, ist dahingehend eine neue Seite. Nicht von ungefähr sind beim ersten Konzert der Tour nur drei Männer im Publikum. Für einen europäischen Zuschauer mag manches völlig selbstverständlich wirken, was doch in Saudi-Arabien erst nach und nach aufkommt.

Und so muss man dem Film leider auch ankreiden, dass er manchmal zu viel will. Hauptcharakter Maryam definiert sich lange nicht als „Frauenrechtlerin“, legt aber dann im TV ihr Niqab ab und betritt einen Raum, in dem sich eigentlich nur Männer aufhalten dürfen. Diese Handlungen werden später aber nicht weiter reflektiert, sodass ihre Wirkung ziemlich schnell verpufft. Und auch Handlungsmäßig ist der Film mir leider nicht stringent genug. Denn auch wenn Maryam und ihr Wahlkampf der Hauptplot sind, verstrickt sich der Film auch in allerlei Nebenschauplätzen. So wird z.B. – nicht zuletzt durch die Band des Vaters – vor allem auch die saudische Kultur vorgestellt. Die Lieder und Texte tragen aber zum filmischen Geschehen eher wenig bei. Dafür werden Teile der Handlung (wie z.B. der Wahltag) fast vollständig ausgespart. Damit wird das Ziel des Films leider nicht immer richtig klar. Ich finde es durchaus positiv, wenn dem europäischen Zuschauer auf diese Weise gezeigt wird, wie sehr sich ein Land wie Saudi-Arabien verändert, wie die Menschen damit umgehen und wie die dortige Kultur aussieht. Nur, dann bräuchte der Film m.E. eine andere Story.

Und wie ist das mit der Religion?

Wirklich stark ist der Film in der Darstellung des Islam und der islamischen Kultur. Die Gebete, Lieder und Suren sind authentisch und geben einen interessanten Einblick in die durch die Religion durchstrukturierte Lebensweise. Daher denke ich auch, dass sich der Film in jedem Fall lohnt, wenn man in Gruppen über den Islam und islamische Länder sprechen will.

Fazit und Gesamtwertung:

Alles in allem ist Die perfekte Kandidatin ein Film, der viele gute Ansätze zeigt, aber am Ende eben doch nicht restlos überzeugt. Schade, weil mehr möglich gewesen wäre. Für mich punktet der Film am Ende vor allem durch seine akkurate religiöse Darstellung und durch den Mut sich einem schwierigen Thema zu widmen.

Bewertung: 6 von 10 Punkten

Die perfekte Kandidatin kommt am 12. März 2020 in die deutschen Kinos!

Trailer zu Die perfekte Kandidatin

Einsatzmöglichkeiten und Material:

Religionsunterricht/Jugendarbeit/Konfirmandenarbeit:

Der Film könnte im Bereich der Themenreihe Islam geschaut werden. Dabei kann zum einen auf das Leben in einem islamischen Land, zum anderen aber auch auf die verschiedenen Rituale, die gezeigt werden, eingegangen werden.

junge Erwachsene/Erwachsenenarbeit:

Auch hier kann das Kennenlernen muslimischer Riten mit dem Film verbunden werden. Spannend wäre aber auch eine Diskussion über die Frage der Frau im Islam und der Öffnung islamischer Länder. Dies bedarf aber einer guten Moderation, damit sie nicht schnell auf eine Seite kippt und zu schnell bestehende Ressentiments verstärkt. Denn genau das tut der Film eigentlich nicht.

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