„Go down, Moses“ – Harriet

Der Name „Harriet Tubman“ dürfte vielen Menschen in Europa nicht geläufig sein. Tatsächlich ist sie aber eine der Figuren des Widerstandes gegen die Sklaverei. Sie wurde ca. 1820 geboren, war selbst Sklavin, floh dann nach Pennsylvania und schloss sich dort dem Widerstand an. Sie befreite viele Sklaven und war auch im Militär aktiv. Nachdem sie 1913 starb, wurde sie mit militärischen Ebenen beigesetzt. Eigentlich hätte dieses Jahr ein besonderes werden können, denn ursprünglich war geplant, dass Tubman ab 2020 den 20$- Schein prägen sollte. US-Präsident Trump sorgte für eine Verschiebung in das Jahr 2028. Umso wichtiger ist daher nun dieses Biopic, dass bereits 2019 entstand und 2020 u.a. für die beste Hauptrolle Oscar-nominiert war.

Der Film beginnt damit, dass sich John, Harriets Ehemann, ihr erläutert, er habe einen Weg in die Freiheit gefunden. Harriet (großartig gespielt von Cynthia Erivo), die zu diesem Zeitpunkt noch „Minty“ heißt, soll wie er frei sein. Dafür gab es eine entsprechende Vereinbarung mit dem verstorbenen Vater des jetzigen Farmbesitzers. Natürlich hält sich der Sohn nicht daran. Die verzweifelte Minty fällt daraufhin vor einem Baum auf die Knie und betet, dass Gott doch diesen bösen Menschen umbringen möge. Tatsächlich stirbt der Besitzer in der folgenden Nacht.

Dies ist der Beginn einer besonderen Beziehung zwischen Gott und Minty/Harriet. Denn von nun an wird sie immer wieder Visionen haben, in denen sie Aufträge und Anweisungen von Gott bekommt. Für manche Zuschauer mögen solche Szenen eher komisch wirken. Sie zeugen aber von der tiefen Religiosität, die nicht nur Tubmans Leben, sondern auch den Film durchziehen. Immer wieder erklingen verschiedene Spirituals, mit denen Harriet auch mit anderen kommuniziert. Und tatsächlich ist über sie belegt, dass sie selbst von solchen Visionen sprach, auch wenn manche davon ausgehen, dass sie folge einer Kopfverletzung aus früheren Zeiten waren (auch das wird im Film kurz thematisiert).

Nach einer gelungenen Flucht von der Farm gelangt sie schließlich nach Philadelphia. Dort wird sie von der Underground Railroad aufgenommen, einer Gruppe, die Sklaven befreien möchte. Sie bekommt eine Bleibe und nimmt nun ihren neuen Namen „Harriet Tubman“ an. Doch bald merkt sie, dass ihr ihre Familie fehlt. Und so macht sie sich auf den Weg ihre Familie zu holen.

Es ist eine gefährliche Reise, die Harriet hier antritt. Doch sie erlebt auch, dass sie Verbündetete hat. Es wird nicht viel über sie erzählt, aber da ist z.B. ein weißer Farmer, der Harriet und andere mit seinem Heuwagen mitnimmt und so Schutz bietet. Und so bleibt dies nicht die einzige erfolgreiche Rettungsaktion. Insgesamt rettet Harriet Tubman über 750 Sklavinnen und Sklaven.

Ihr Markenzeichen: Sie ruft die Sklaven mit dem Gospel „Go down, Moses“. Auf diese Weise bekommt sie auch den Spitznamen „Mose“. Und die Gemeinsamkeiten sind kaum zu leugnen. Wie Mose führt sie ihr Volk aus der Sklaverei. In einer Szene durchschreitet sie eine Fluss, eine deutliche Anspielung auf den Auszug durch das Meer. Und immer wieder spricht Gott mit ihr und zeigt ihr den Weg.

Auch wenn der Film lange vor dem Tod von George Floyd und den daraus resultierenden Protesten entstand, er passt in diese Zeit. Immer wieder sind es die längeren Reden von Harriet, die so klingen, als würde sie sie heute sprechen. Es sind die stärksten Momente in einem Film, der leider manchmal fast etwas überzieht und dann ein bisschen zu sehr den Hang zu Heldenverehrung hat. Das wäre eigentlich nicht nötig, Harriet ist auch so schon eine starke Hauptfigur.

Dennoch ist Harriet ein wirklich guter Film, der absolut sehenswert ist. Selbst wer die Biografie Tubmans kennen sollte, wird von den starken Bildern und Gospelsongs in den Bann gezogen. Man kann nur hoffen, dass diese Frau eher früher als später den Status in der Geschichte bekommt, den sie verdient hat.

Fazit und Gesamtwertung

Harriet ist ein gut gelungenes Biopic, dass sich in jedem Fall zu sehen lohnt. Die Geschichte wird glaubhaft erzählt, auch wenn sie hin und wieder etwas zur Glorifizierung neigt. Die schöne Musik (vor allem die Gospels) sind dabei ein prägendes Element im Film. Gleichzeitig schafft es der Film aber auch immer wieder eine gewisse Spannung aufzubringen, die den Zuschauer fesselt und mit hoffen lässt, dass auch das nächste Fluchtmanöver gelingen möge. Wer diesen Film sieht, der bekommt noch einmal ein ganz neues Gefühl für die Unterdrückung der Schwarzen in den USA und wird möglicherweise auch in der heutigen Zeit einige unangenehme Parallelen sehen.

Gesamtbewertung: 8/10 Punkten

Deutscher Trailer zu Harriet

Einsatzmöglichkeiten und Material

Das Thema Rassismus kann man mit Jugendlichen wie mit Erwachsenen besprechen. Dafür ist der Film in jedem Fall lohnenswert, weil er viele Anknüpfungspunkte für weiterführende Gespräche bietet.

Aktuell ist mir noch kein Material zum Film bekannt.

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