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Veröffentlicht am 6. November 2026

Wildwood

Siehe, so schön kann ein Film sein!
RegieTravis Knight
Jahr2026
Länge139
FSK12
Schauspieler*innenStop-Motion Animation
Kinostart05.11.2026

Filmkunst, die nichts für Kinder ist

Wenn ein Film über 1100 Drehtage auf der Uhr hat, dann werden die meisten Kinofans schon hellhörig. Denn schon bevor die Zuschauenden nur eine Sekunde Film gesehen haben, schlägt Wildwood so ziemlich jeden Rekord. Der teuerste Stop-Motion-Film aller Zeiten hat in der gesamten Produktion fast 15 Jahre gedauert. 2011 erschien der Roman Wildwood von Colin Meloy mit Illustrationen von Carson Ellis. Die Filmrechte sicherte sich damals das Studio Laika, das nun den Film veröffentlicht hat.

Wenn dann der Film beginnt, dürfte den meisten ziemlich schnell klar werden, dass Wildwood trotz Animationsstil kein Kinderfilm ist. Denn zu Beginn werden die Zuschauenden Zeuge eines Suizids. Der junge Alexei stürzt sich vom Balkon und zeigt damit allen, dass er eigentlich kein richtiger Junge ist. Somit setzt der Film früh einen Ton, der sich fast durch den gesamten Film zieht. Denn es gibt schon einige Actionszenen, die nicht ohne sind. Hier mag man an die Kampfszenen aus Herr der Ringe oder Ähnliches denken. Auch wenn das Blut nicht in Strömen fließt, so wird doch einiges geboten.

Doch Wildwood kann auch anders. Denn in der nächsten Szene tritt Prue auf den Plan, ein junges Mädchen, das mit seinen Eltern und Bruder Mac, einem Kleinkind, in Portland, Oregon lebt (dort ist zufälligerweise auch das Studio Laika zu Hause). Als Prue auf ihren kleinen Bruder aufpassen soll und sich gegen die Anweisung der Eltern mit ihm draußen um die Häuser zieht, treffen sie zufällig auf Curtis, einen eher schüchternen und etwas „nerdigen“ Jungen, der etwa in Prues Alter ist. Als die drei dann am Spielplatz ankommen, wird Mac von einem Schwarm Krähen in einen benachbarten Wald entführt. Prue versucht, ihn mit Curtis im Schlepptau zu retten. Dabei stellen sie fest, dass dieser Wald alles andere als normal ist.

Magische Welten ohne die ganz große Tiefe

Spätestens an dieser Stelle kann Wildwood sein gesamtes Potenzial entfalten. Das liegt in allererster Linie an den Bildern. Mit welcher Liebe zum Detail jedes einzelne Bild zusammengesetzt wurde, ist wahnsinnig beeindruckend. Und schon das sorgt dafür, dass man diesen Film irgendwie gernhaben muss. Zu sehr ist ihm in jeder Minute die Liebe, die in ihn gesteckt wurde, anzumerken. Hinzu kommt dann ein durchaus feinfühliger Soundtrack von Dario Marianelli (u. a. Paddington in Peru), der diese Bilder wunderschön untermalt.

Allein dieser Umstand lässt dann auch ein bisschen darüber hinwegsehen, dass die Story mit diesen ganzen Superlativen nicht mithalten kann. Denn leider bleibt das, was Wildwood erzählt, allzu häufig an der Oberfläche. Themen wie Trauer um ein geliebtes Kind oder einen nicht erfüllten Kinderwunsch klingen zwar an, werden aber meist nicht wirklich bearbeitet, sondern dienen eher dazu, die Story in den nächsten Abschnitt zu überführen. Das erklärt auch, warum ich dem Film aus theologischer Sicht nur einen von fünf Punkten geben konnte. Mir würde schlichtweg kein Punkt einfallen, wo ich mit dem Film ernsthaft ins Gespräch kommen könnte, ohne die eigentliche Filmwelt direkt verlassen zu müssen. In dieser Hinsicht ist die Story leider nicht ganz so genial wie seine Bilder. Zugleich sei an dieser Stelle auch gesagt, dass der Film nie richtig langweilig wird. Dafür sorgen die immer wieder neuen Eindrücke und auch der gut eingesetzte Humor, der die Spannung immer wieder auflockert.

Fazit

Für mich ist Wildwood rein auf der filmischen Ebene ein absolutes Erlebnis und ein starker Oscar-Kandidat für den besten Animationsfilm. Sieht man über kleinere Schwächen in der Story hinweg, dürfte man das Kino ziemlich glücklich verlassen.

Film
4
von 5

Sehr guter Film, der mir – abgesehen von kleineren Schwächen – richtig gut gefallen hat. Sollte man sich ansehen.

Geist
1
von 5

Aus meiner Sicht gibt es in diesem Film keine Bezüge zu theologischen Themen und Fragestellungen.