← Zurück zu den Filmkritiken
Veröffentlicht am 30. Juli 2026

Spider-Man: Brand New Day

Er wollte nie erwachsen sein
RegieDestin Daniel Cretton
Jahr2026
Länge145 Minuten
FSK12
Schauspieler*innenTom Holland, Zendaya, Sadie Sink, Jon Bernthal u. a.
Kinostart30.07.2026

Kein Kind mehr

Peter Parker (Tom Holland) führt ein schweres Leben. „Die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft" verrichtet auf den Straßen New Yorks ihren Job und bringt eine Verbrecherbande nach der nächsten hinter Gittern. Jenseits dieser Erfolge hat Spider-Man aber leider nicht allzu viel anderes. Die wichtigsten Personen in seinem Umfeld haben ihn verlassen. Während seine Tante May und sein „Entdecker" Tony Stark gestorben sind, wissen sein Freund Ned und seine große Liebe MJ noch nicht einmal, wer er ist – ein Zauberspruch im letzten Spider-Man-Film hat dies bewirkt. Und so verbringt Peter seine Abende auch mal damit, die beiden auf Instagram anzuschauen, wie sie ihr Studium am MIT in Boston absolvieren.

Doch dann geschieht viel auf einmal. Ned und MJ kehren nach New York zurück, das durch eine merkwürdige Einbruchsserie in Atem gehalten wird. Ziel ist immer die Organisation „Damage Control" – aber warum? Während Spider-Man der Sache auf den Grund gehen will, muss er sich nicht nur seinen Gefühlen stellen, sondern bekommt es auch mit einem Gegner zu tun, der in ihm viel mehr weckt als nur den Wunsch nach Gerechtigkeit. Denn jede Spinne wird einmal erwachsen.

Auch Helden haben Gefühle

Schon Thunderbolts war ein Film, der von weit mehr gelebt hat als nur Action und coolen Sprüchen. Die Komik tritt einen Schritt zurück und macht Platz für ein deutlich stärkeres Innenleben der Charaktere, bei denen Verletzungen, Fragen und Sehnsüchte mehr zum Vorschein kommen. Dieser Weg wird nun in Spider-Man: Brand New Day weiter beschritten, woran man sich gerade am Anfang etwas gewöhnen muss. Denn im ersten Drittel dieser 145 Minuten folgen wir vor allem Peter, der an seine verlorenen Freunde denkt oder an anderer Stelle daran scheitert, weitere Kontakte aufzubauen. Das Leben als Superheld ist ziemlich einsam.

Richtig in Fahrt kommt der Film dann, wenn sich Peter mit seinen eigenen Gefühlen und auch den Veränderungen seiner Superheldenkraft auseinandersetzt. Denn der „Spinnenanteil" seiner DNA verändert sich, was zu unterschiedlichsten körperlichen Reaktionen führt. Hier mag man an die verschiedenen Entwicklungsphasen einer Spinne denken, und tatsächlich lässt sich argumentieren, dass Spider-Man in diesem Film erwachsen(er) wird. Denn anfänglich wirkte Spider-Man häufig wie ein Teenager, der seine großen Helden verehrt, seine erste Liebe findet und dabei so aufgeregt ist, dass er so manches Mal über das Ziel hinausschießt.

Doch gleich der Spinne, die sich zum Erwachsenwerden häutet, muss auch Spider-Man mit körperlichen Veränderungen umgehen. Die Veränderungen am eigenen Ich sind für Peter herausfordernd und beängstigend zugleich, weswegen er sich auch mit der Frage beschäftigt, ob er eigentlich Teile seiner „Natur" unterdrücken müsste. Aber geht das überhaupt? Und wer entscheidet, was gut ist? Vor allem aber ist der Film damit ein Votum für den „Menschen" Peter Parker. Seine Verwundbarkeit wie auch seine Suche nach menschlicher Verbindung wird an vielen Stellen offensichtlich, ebenso wie sein Scheitern in dieser Hinsicht. Dieses Motiv blitzt im gesamten Film immer wieder auf und sorgt dafür, dass dieser Film sehr viel mehr ist als nur Superhelden-Action.

Verstärkt werden die inneren Konflikte durch die Rolle von Sadie Sink (bekannt u. a. aus Stranger Things), über die ich hier aber nichts mehr verraten will. Sie ist auch schauspielerisch ein echter Höhepunkt in diesem Film, der aber auch ansonsten auf einen guten Cast zurückgreifen kann. Das schon bewährte Ensemble aus Zendaya, Tom Holland und Jacob Batalon spielt gewohnt souverän ihre Rollen und erhält mit Jon Bernthal gute Unterstützung. Dass zudem der ein oder andere Held aus dem MCU einen Gastauftritt hat, gehört da schon fast zum Standard. Heißt im Umkehrschluss aber auch: Ohne Vorwissen um das MCU dürfte man an mancher Stelle verloren sein.

Neben all diesen Neuerungen greift der Film dann aber auch auf altbewährte Rezepte zurück, vor allem bei den Actionszenen. Davon hat der Film trotz veränderter Ausrichtung noch so einige zu bieten. Die sind ähnlich rasant inszeniert wie so manche Tour durch New York City, auf die sich der Film als Handlungsort beschränkt. Und zwischendurch blitzt er dann eben doch auf, dieser Marvel-Humor, ohne den ein Marvel-Film dann auch irgendwie unvollständig wäre.

Mensch, es ist dir gesagt, was gut ist (Micha 6,8)

So manchen Denkprozess von Peter Parker in diesem Film könnte man unter diesen biblischen Vers stellen. Wobei Peter sich eher auf die Suche macht nach dem, was gut ist. Was ihm hilft und wie viel in ihm eigentlich noch gut ist bei all den Verletzungen, die er in seinem Superhelden-Leben schon bekommen hat.

Damit berührt der Film natürlich auch eine Frage, die auch aus einer religiösen Perspektive weiter gedacht werden kann. Vor allem die Frage nach dem „Was darf ich von mir zeigen?" scheint gerade in diesen Tagen noch einmal von einer besonderen Bedeutung zu sein. Die starke Fokussierung auf die eigene Person kann auch aus theologischer Perspektive weiter gedacht werden, und hier kann der Film in seiner letzten Konsequenz auch noch einmal hinterfragt werden.

Fazit

Mit Spider-Man: Brand New Day gelingt Marvel ein weiterer Schritt in die richtige Richtung hin zu Avengers: Doomsday. Gerade weil der Film mehr ist als nur lustiges Superhelden-Kino, lohnt sich der Besuch für Fans allemal.

Film
4
von 5

Sehr guter Film, der mir – abgesehen von kleineren Schwächen – richtig gut gefallen hat. Sollte man sich ansehen.

Geist
3
von 5

Ein oder mehrere Themen finden sich wieder, über die man auch aus theologischer Perspektive weiter nachdenken könnte.