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Veröffentlicht am 25. August 2026

That’s why the Lady is a Champ

Ich bin wütend!
RegieDavid Michôd
Jahr2026
Länge135 Minuten
FSK16
Schauspieler*innenSydney Sweeney, Ben Foster, Merritt Wever, Chad Coleman u.a.
Kinostart03.09.2026

Mit ein paar Schlägen ins Rampenlicht

Als Christy Salters (Sydney Sweeney) 1989 mit 21 in West Virginia erstmal bei einem Boxkampf antritt, da ahnt sie noch nicht, was sie damit auslösen würde. Die damals 21-Jährige sieht sich eigentlich im Basketball, hat aber immer wieder ein Problem mit ihrem Temperament. Dann ruft plötzlich ein Promoter an, der sie im Ring gesehen hat und sie nach Tennessee zum Boxen einlädt. Eine Einladung mit Folgen.

Wer die ersten Minuten des Films sieht, der dürfte zunächst einmal davon ausgehen, dass es sich um ein klassisches Sportler*innen-Biopic handelt. Ein Talent aus ärmlichen Verhältnissen, das entdeckt wird und gegen alle Widerstände den Weg bis ganz nach oben schafft. Immerhin ist Christy Salters die erste Boxerin in der International World of Fame gewesen und hat viel für den Boxsport der Frauen in den USA getan. Und so scheint der Film zunächst einmal diese erfolgreiche Karriere in den Blick zu nehmen.

Mit Sydney Sweeney hat sich dabei eine Hauptdarstellerin gefunden, die sich ganz dem Projekt hingegeben hat. Nicht nur, dass die Schauspielerin bereit war, rund 15 kg vor allem an Muskelmasse zuzunehmen, sie stellte sich auch mit ihrer Produktionsfirma hinter das Projekt, das in den USA allerdings ein Flop an der Kinokasse war. Die Leidenschaft, die Sweeney für die Figur entwickelt hat, ist dem Schauspiel anzumerken. Auch die Boxszenen sind gut inszeniert und wirken authentisch. Das macht auf der sportlichen Seite dann auch einen Teil der Faszination aus.

Gleichzeitig deutet der Film früh an, dass er mehr sein will, als nur die Verehrung einer großen Sportlerin. Wir erleben Christy, die sich mit ihrer Mutter auseinandersetzen muss, die ihr nicht nur ihre lesbische Beziehung verbieten will, sondern am besten gleich den Priester rufen will. Es ist der einzige explizit religiöse Verweis in dem Film, der ansonsten ohne religiöse Bezüge auskommt.

Auf einer anderen Art und Weise manipulativ ist auch ihr Trainer “Jim” Martin (Ben Foster). Eigentlich wollte er Christy gar nicht trainieren, wird dann aber von ihrem Talent überzeugt. Da Christy in Tennessee kaum andere Kontakte hat, kommen sie und Martin sich schließlich näher. Doch die Beziehung, die im Film nie als echte Liebe inszeniert wird, wird von Martin immer mehr ausgenutzt. Am Anfang sind es eher kleine Lügen oder falsche Versprechungen, die immer wieder auftreten. Doch da ist noch alles von der Sportkarriere überschattet.

Denn die läuft für Christy mit Martin als Trainer und später Ehemann richtig gut. Spätestens als sie bei dem Boxpromoter “Don King” unter Vertrag kommt, scheint sie endgültig das große Los gezogen zu haben. Nicht nur, dass das Geld jetzt für Auto, ein Häuschen und ein eigenes Box-Studio reicht, sie gewinnt auch ihre Kämpfe. Dass sie dabei jede Menge Trash-Talk von sich gibt und nicht gerade sympathisch wirkt, dämpft das Vergnügen am Film nur wenig.

Warum schlägst du nicht zurück?

Doch auf der zweiten Hälfte nimmt der Film dann einen Turn und wendet seine Aufmerksamkeit von der Sportlerkarriere endgültig zu den immer mehr toxischen Beziehungen von Christy hin. Vor allem Ehemann Jim wird Christy gegenüber immer unbarmherziger und auch gewalttätiger. Der Film verzichtet dabei weitestgehend auf die Darstellung der Gewalt und lässt vor allem den Sound sprechen. Das macht die Szenen jedoch kaum weniger unangenehm. Und man fragt sich, warum Christy, die sonst so taff auftritt, das alles über sich ergehen lässt. Könnte sie diesen Typen nicht einfach windelweich prügeln?

Aber darin liegt vielleicht das eigentliche Anliegen dieses Films. Er zeigt eine Frau, die Hilfe entweder nicht annehmen kann oder keine bekommt, wenn sie sie sucht. Damit dürfte der Film durchaus einen Punkt treffen, der immer wieder zum Problem wird. Dass Verleiher TOBIS Collien Fernandes als Filmpatin gewonnen hat, unterstreicht dieses Anliegen noch einmal. Als Zuschauer sitzt man hilflos im Kinosaal und kann weder dieser Frau helfen noch den Ehemann hinter Gittern bringen, selbst wenn man es gerne würde. Vielleicht aber gelingt dem Film damit trotzdem eine Sensibilisierung für das Thema.

Fazit

Am Ende ist der Film vor allem ein Film der Emotionen. Mal freut man sich mit Christy über ihre Erfolge, dann ist man wieder schockiert über das Leid, das sie ertragen muss. Für mich liegt die große Stärke dieses Films gerade darin, dass er mehr als nur ein Sportler-Biopic ist, sondern glaubhaft für ein wichtiges Thema Aufmerksamkeit schaffen will. Man kann nur hoffen, dass ihm das auch gelingt.

Film
4
von 5

Sehr guter Film, der mir – abgesehen von kleineren Schwächen – richtig gut gefallen hat. Sollte man sich ansehen.

Geist
2
von 5

Es gibt sehr schwach ausgeprägte Anknüpfungspunkte für theologische Themen und Fragestellungen.