1964 verschwinden im US-Bundesstaat Mississippi drei junge Bürgerrechtler. Dem FBI fällt die Aufklärung dieser Morde schwer, weswegen es zu nicht ganz legalen Mitteln greift. Filmisch wurde dieser Fall 1988 durch den großartigen Film Mississippi Burning (u.a. mit Willem Dafoe, Gene Hackman und Frances McDormand) aufgenommen. Nun kommt Regisseur Elegance Bratton (u.a. The Inspection) mit einem neuen und zugegebenermaßen etwas ungewöhnlichen Zugang daher.
Brattons Film spielt zwei Jahre später. Sein Protagonist ist der schwarze FBI-Agent Wayne Strider (Yahya Abdul-Mateen II), der im FBI-Büro allerdings keine allzu große Rolle zu spielen scheint. Sein Chef Roy Moore hat für ihn keine Zeit und so scheint Strider keine große FBI-Karriere beschieden zu sein. Dabei ist er doch extra aus Chicago zurück nach Mississippi gegangen, um dort für Recht und Ordnung zu sorgen. Erst wenn Mississippi geheilt ist, ist Amerika geheilt, sagt er seiner Frau.
Doch dieses Amerika scheint nur schwer zu heilen zu sein. Dass der schwarze Aktivist Vernon Dahmer die schwarzen Mitbürger zur Wahl aufruft und sogar bereit ist, mögliche Kosten zu tragen, ruft den Ku-Klux-Klan auf den Plan. Eines Nachts zünden sie Dahmers Haus an. Seine Frau und die Kinder fliehen, er bleibt zurück, um den Klan an der Verfolgung zu hindern, und stirbt schlussendlich durch die Rauchgase.
Für den Leiter des FBI-Büros wird die Lage nun kritisch. Er muss Ergebnisse liefern. Moore wendet sich also an die Person, von der er hofft, dass sie wie schon 1964 die nötigen Aussagen besorgen wird. Gemeint ist Greg Scarpa (Mark Wahlberg), der ein berüchtigter Hitman ist und nach ganz eigenen Regeln spielt. Agent Strider soll ihm zur Seite gestellt werden, doch schon bei der ersten Begegnung merkt er, wie eigenwillig Scarpa vorgeht.
Was sich nun entwickelt, ist ein Film, der in seinen Grundzügen tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht. Scarpa gilt als maßgeblich beteiligt an der Aufklärung der Morde von 1964. In Mississippi Burning ist Agent Monk (Badja Djola) an ihn angelehnt. Scarpa war dabei nicht nur 1964 für das FBI aktiv, sondern wurde auch für die Aufklärung des Mordes an Dahmer herangezogen. In dieser Hinsicht scheint der Film also eine durchaus wahre Geschichte zu erzählen, die möglicherweise näher am Original ist, als es der Oscar-nominierte Vorgänger war.
Dennoch fällt es im Laufe des Films schwer, das zu glauben, was einem auf der Leinwand geboten wird. Das liegt im Wesentlichen daran, dass sich der Film vor allem im zweiten Teil auf die Gewalt seiner beiden Protagonisten zu konzentrieren scheint. Dabei wird den Zuschauenden wenig erspart und man muss schon ein bisschen was abkönnen, um bei der bild- wie soundreichen Darstellung der Gewalt nicht verstört den Blick abwenden zu müssen.
Damit wird die Story des Films eher zu einem Rachefeldzug als zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit Rassismus. Diesen bekämpft der Film frei nach dem biblischen Leitwort „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Zusammen mit der derben Sprache und einem teilweise etwas überdrehten Schauspiel von Mark Wahlberg springt der Funke leider nicht richtig über. Man ist sich nicht sicher, ob dieser Film eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Rassismus der sechziger Jahre sein will oder doch vielmehr die Verehrung eines weißen Hitman mit seinem schwarzen Kompagnon, die dem Ku-Klux-Klan mal ordentlich das Fürchten lehren. Auch deswegen ist der Abspann am Ende fast eher eine Erlösung als ein befriedigendes Ende.
By Any Means mag thematisch Nähe zu Mississippi Burning aufweisen, kommt aber bei Schauspiel wie Story schlicht nicht an die „Vorlage“ heran. So ist der Film eher eine blutgetränkte Rachefantasie, die zwar ihre Momente hat, insgesamt aber zu wenig Inhalt bietet, um ein größeres Kinovergnügen zu bieten.